„Mehrwert durch Netzwerk“

Gemeinsame Strategien für ökologisch-gesellschaftliche Herausforderungen

Die Zielstellung der Veranstaltung war laut den Organisatoren Franz Rauscher, Obmann der EZG Gut Streitdorf, und Christoph Heiß, Hofnachfolger und ehemaliger EZG Gut Streitdorf Mitarbeiter, eine Plattform für Bauern und Bäuerinnen zu schaffen, wo untereinander, sowie mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Handel topaktuelle Themen und Probleme ausgetauscht, ein erweitertes Netzwerk etabliert und Strategien entwickelt werden können.

Einleitende Worte von Obmann Franz Rauscher, EZG Gut Streitdorf, bildeten den Auftakt zur Podiumsdiskussion mit DI Werner Habermann, Geschäftsführer der EZG Gut Streitdorf und ARGE Rind, Dir. Mag. Alois Huber, Geschäftsführer Spar-Ost, Paul Nemecek, Bauernbunddirektor NÖ, Christian Putscher, Ernährungswissenschaftler und Lifestyle-Coach und Johannes Schmuckenschlager, Präsident Landwirtschaftskammer NÖ. Themen wie „Kann man einem Betrieb empfehlen, in der Veredelung zu bleiben?“ oder „Wo können Politik und Handel wirksam unterstützen?“ wurden intensiv diskutiert.

Anschließende Fragen aus der TeilnehmerInnen-Runde („Wohin soll sich eine EZG entwickeln?“, „Welche Chancen gibt es heutzutage für Betriebe?“, „Wie kann eine erfolgreiche Hof-Nachfolge sichergestellt werden?“) vervollständigten einen Fragenkatalog, der in Folge, aufgeteilt auf 10 Gruppen, bearbeitet wurde. Diese Resultate wurden wiederum dem Plenum vorgetragen, woraus sich folgende Schwerpunktthemen ergeben haben und sowohl für die EZG Gut Streitdorf, als auch für Politik, Wirtschaft und Handel konkrete Handlungsimpulse bilden:

  • Veredelungs- und Produktionsbetriebe benötigen in Zukunft stabile Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit. Das heißt, dass z.B. ein Betrieb nur dann Stallinvestitionen vornehmen  und umbauen kann, wenn gewährleistet ist, dass sich die Bedingungen nicht innerhalb kurzer Zeit, sprich bevor der Stall überhaupt abgeschrieben ist, aufgrund neuer Vorgaben wieder ändern.
  • Die TeilnehmerInnen forderten von der EZG eine noch intensivere Bearbeitung des Gastronomie- und Großküchenmarktes. Durch eine Kennzeichnungspflicht und weiterer Informations- sowie Kommunikationsmaßnahmen, soll ein höherer Anteil an heimischer Ware in diesem Sektor positioniert werden.
  • Weiters wünschten sich die TeilnehmerInnen, dass die Zusammenarbeit mit dem Handel auf eine noch fairere Basis als bisher gestellt werde. Die Partnerschaft mit dem LEH in der Wertschöpfungskette solle noch mehr gestärkt werden.
  • Ein letzter Fokus wurde auf eine gelungene Betriebsübernahme gelegt: Junge Hof-Nachfolger brauchen ein Umfeld, welches so gestaltet ist, dass ein entsprechendes Einkommen erzielt bzw. das hohe Risiko abgegolten werden kann.

Die Netzwerkveranstaltung selbst, sowie die erarbeiteten Ergebnisse fanden einen so guten Anklang, dass bereits eine Fortsetzung geplant ist.

Zitate der einzelnen Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

DI Werner Habermann:

„Die Herausforderungen für unsere Betriebe werden in Zukunft noch wesentlich komplexer und schwieriger als in der Vergangenheit. Um dies bestmöglich zu bewältigen, braucht es neue und moderne Ansätze für die Zukunft, Dinge zu gestalten und gemeinsam zu entwickeln. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Bauern über die Erzeugergemeinschaften, Schlacht- und Zerlegebetriebe bis hin zum Lebensmitteleinzel- und Großhandel. Dies wird eines der entscheidenden Dinge für die Zukunft sein, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Ein wesentliches Instrument der Erzeugergemeinschaften in Zukunft liegt darin, die Märkte zu steuern.

Wir als Erzeugergemeinschaft wollen dabei die Drehscheibe zwischen allen Akteuren sowie die Vernetzungsstelle sein, um unsere Bauern bestmöglich in die Zukunft zu begleiten.“

Franz Rauscher Obmann der EZG Gutstreitdorf:

„Treffpunkt Börse“ – Netzwerken mit dem Ziel einer nachhaltigen ökonomischen Tierhaltung

„Die Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf eGen startete am 11.Februar 2020 ihre Netzwerkreihe „Treffpunkt Börse“ mit „Zukunft/Tier/Haltung“, einem brisanten Thema für alle Tierhalter. Der überwältigende Besuch zeigt uns, dass ein Miteinander-Reden zu aktuellen Themen in lockerer Atmosphäre wichtig ist. Wir wollen das Dialogforum „Treffpunkt Börse“ zu aktuellen Themen für jene weiterführen, die in der Tierhaltung auch in Zukunft ihren Arbeitsplatz sehen, besonders für Hofnachfolger und Auszubildende. Wir wollen die Möglichkeit bieten, Sorgen aber auch Ideen direkt mit den Beteiligten entlang der tierischen Produktion offen zu diskutieren. Die Anwesenden Vertreter aus Verarbeitung, Politik, Handel und Interessensvertretung begrüßten die offenen Gespräche mit den TierhalterInnen und konnten einiges für sich mitnehmen. Ein gut gepflegtes Netzwerk kann auch höhere Erfolgschancen für den Einzelnen bringen und noch mehr Qualität bei den Erzeugnissen -„Gute Beziehungen schaden auch nur demjenigen, der keine hat“.

Die Ergebnisse aus der Diskussion werden bei der nächsten, sicher ebenso interessanten Netzwerkveranstaltung für sie bereitgestellt.“ 

Johannes Schmuckenschlager, Präsident Landwirtschaftskammer NÖ:

Als Landwirtschaftskammer NÖ sehen wir eine unserer zentralen Aufgaben in der Kommunikation mit der Gesellschaft. Wir dürfen nämlich nicht voraussetzen, dass die nicht-bäuerliche Bevölkerung darüber Bescheid weiß, welche Leistungen unsere Bäuerinnen und Bauern erbringen und was es heißt, regionale Lebensmittel zur Verfügung zu haben und v.a. wie diese erzeugt werden. Daher ist es wichtig, unsere Kenntnisse über den Weg und den Wert unserer heimischen Lebensmittel entsprechend zu vermitteln. Denn realistische Fakten bilden die Basis für Transparenz sowie für Verständnis und Vertrauen der Konsumenten. Und Botschafter dafür können nur wir selbst, wir Bäuerinnen und Bauern, sein.

Ein weiterer Fokus muss hier unbedingt auf der Herkunftskennzeichnung liegen. Nur eine umfassende Kennzeichnung der Produkte schafft Sicherheit für die Konsumenten, nicht getäuscht zu werden und gibt die Möglichkeit, sich bewusst

entscheiden zu können, woher die Lebensmittel kommen, die im Einkaufskorb landen. Es geht aber nicht nur um den Handel, genauso betrifft das den Außer-Haus-Verzehr und damit die Gastronomie und insbesondere die Gemeinschaftsverpflegung. Als Landwirtschaftskammer NÖ drängen wir schon lange auf eine durchgängige, transparente Herkunftskennzeichnung und eine verstärkte Herkunftsüberprüfung. Das betrifft zum einen den Schutz der Konsumenten vor Irreführung, es geht aber auch darum, die Stellung unserer Bäuerinnen und Bauern in der Lebensmittelkette konsequent zu stärken und den Verlust von regionaler Wertschöpfung zu vermeiden.

Paul Nemecek, NÖ Bauernbunddirektor, verlangte ein notwendiges Umdenken bei Handelsabkommen: „Es ist widersinnig, bei unseren heimischen Bäuerinnen und Bauern in Österreich die Auflagen zu erhöhen und im selben Atemzug Ramsch-Lebensmittel aus Übersee zu importieren. Genau aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit unserem EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber die Unterschriftenaktion www.stopp-mercosur.at gestartet.“

 Dir. Mag. Alois Huber, Geschäftsführer Spar-Ost

„Dieses spannende Format zeigt, wie wichtig das direkte Gespräch zwischen Handel und Landwirten ist. Auf Augenhöhe wurden Argumente zur Wertschöpfung, Absatzsicherung und Konsumentenverhalten ausgetauscht. Die Gespräche mit den Teilnehmern, ganz speziell mit den Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolgern, waren aufschlussreich und erfrischend. Eine konkrete Idee aus der Veranstaltung werden wir bei SPAR auch sicher umsetzen – lassen Sie sich überraschen.“

Anhang:

Foto (von links.):

Alois Huber – Geschäftsführer Spar Wien, NÖ und nördl. Burgenland

Erich Kaltenböck –  Obmann Stellvertreter EZG Gut Streitdorf

Christian Putscher – Ernährungswissenschaftler und Lifestyle-Coach

Werner Habermann – Geschäftsführer der EZG Gut Streitdorf

Franz Rauscher – Obmann der EZG Gut Streitdorf

Johannes Schmuckenschlager – Präsident Landwirtschaftskammer NÖ

Paul Nemecek  – Bauernbunddirektor NÖ

Josef Brandstätter – VÖS Obmann Stellvertreter

 

Fotocredit: ©gutstreitdorf.at/brunnbauer

Kontakt:

Ing. Gerald Toifl, Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf eGen, E-Mail: g.toifl@gutstreitdorf.at

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